Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft  

Geschichtlicher Rückblick
  
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Inhalt   1. Institutsgründung   2. Der Erste Weltkrieg   3. Die Jahre 1919-1933   4. Machtübernahme der Nationalsozialisten und Zweiter Weltkrieg  
5. Erste Nachkriegsjahre   6. Eingliederung in die Max-Planck-Gesellschaft   7. Entwicklung zu einem Zentrum der Grenzflächenforschung     

7. Entwicklung zu einem Zentrum der Grenzflächenforschung

Im Oktober 1958 wurde Rudolf Brill zum Direktor des Instituts ernannt und übernahm im März 1959 die Geschäftsführung von Max von Laue. R. Brill leitete das Institut bis zum Frühjahr 1969. Sein wissenschaftliches Interesse galt den Eigenschaften von Katalysatoren für heterogene Reaktionen, die er mit Hilfe von Röntgenbeugungsverfahren und kinetischen Meßungen untersuchte. Er befasste sich insbesondere mit den Katalysatoren der Ammoniak-Synthese sowie mit Hydrierungs- und Oxidationskatalysatoren. In den Jahren 1955 bis 1964 wurden schrittweise drei Gebäude auf dem Gelände Faradayweg 16 in das Institut eingegliedert, die bis dahin von einer Arbeitsgruppe für Mikromorphologie bzw. einer Aussenstelle des Max-Planck-Instituts für Silikatforschung belegt waren. In eines dieser Gebäude zog die Abteilung Ueberreiter ein, die beiden anderen wurden später von den Abteilungen Block und Hosemann übernommen.

Als Nachfolger von R. Brill wurde im November 1969 Heinz Gerischer zum Direktor des Instituts ernannt. Er übernahm die Abteilung Physikalische Chemie und entwickelte einen neuen Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der Elektrochemie der Metalle und Halbleiter unter Einbeziehung photochemischer Effekte. Parallel dazu wurde in einer Abteilung die Forschung an Festkörperoberflächen im Ultrahochvakuum und im Kontakt mit Gasen verstärkt.

Aufbauend auf der schon von M. von Laue im Institut eingeführten Tieftemperatur-Technik wurde die Matrixisolationsspektroskopie als Forschungsgebiet aufgenommen, um an Atom-Clustern den übergang zwischen Atom- und Festkörpereigenschaften zu studieren. Gleichzeitig mit der Berufung von H. Gerischer wurde Jochen H. Block zum Wissenschaftlichen Mitglied berufen, der bereits 1966 von R. Brill an das Institut gezogen worden war und eine eigene Abteilung aufgebaut hatte, in der mit den Methoden der Feldelektronen- und Feldionenmikroskopie kinetische Prozesse auf Metalloberflächen studiert wurden. Zur Förderung der Elektronenmikroskopie, motiviert insbesondere durch das Bestreben, Mikroskope mit höchster Auflösung gegen äußere Störungen abzuschirmen, wurde 1972 ein Neubau begonnen, der 1974 von den Elektronenmikroskopikern bezogen werden konnte.

In dieser Periode wurden zwei Strukturreformen durchgeführt (1974 und 1980) und damit Schritte eingeleitet, welche die Thematik der Institutsarbeit stärker auf zusammenhängende Fragestellungen konzentrieren sollten. Als Schwerpunkt bot sich an aufgrund der vorhandenen technischen Möglichkeiten und sachlichen Kompetenz eine Konzentration auf das Studium von Grenzflächeneigenschaften und Ðprozessen, ein Gebiet, das durch die Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden wieder besonders aktuell zu werden versprach.

Im Rahmen dieser Entwicklung wurde das Institut 1974 in drei Teilinstitute gegliedert, welche die verwandten Aktivitäten zusammenfassten. Als Nachfolger von Ernst Ruska wurde 1977 Elmar Zeitler zum Direktor am Institut und Leiter des Instituts für Elektronenmikroskopie berufen. Die neue Gliederung bestand in Teilinstitut für Physikalische Chemie (J.H. Block, H. Gerischer, K. Moliere); Teilinstitut für Strukturforschung (R. Hosemann, K. Ueberreiter); Teilinstitut für Elektronenmikroskopie (E. Ruska bis 1974, E. Zeitler ab 1977). Die Geschäftsführung blieb bei H. Gerischer.

Nach der Emeritierung von R. Hosemann, K. Moliere und K. Ueberreiter im Jahre 1980 wurde eine zweite Umstrukturierung vorgenommen und eine kollegiale Leitung für das Gesamt-Institut eingeführt. In diesem Zusammenhang wurde Ende 1980 Alexander M. Bradshaw zum Wissenschaftlichen Mitglied und Direktor am Institut berufen, der bereits seit 1976 eine eigene Arbeitsgruppe im Bereich Physikalische Chemie aufgebaut hatte mit Schwerpunkt auf der Spektroskopie von Festkörperoberflächen und dem Studium chemisorbierter Moleküle.

Im Jahre 1979 war auf Initiative des Fritz-Haber-Instituts zusammen mit Forschergruppen der Berliner Universitäten und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt eine Gesellschaft zum Betreiben eines Elektronenspeicherringes als Quelle von Synchrotron-Strahlung gegründet worden (BESSY). Gesellschafter waren außer der Max-Planck-Gesellschaft, dem Hahn-Meitner-Institut, der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Deutschen Elektronensynchrotron (DESY) in Hamburg vier Industriefirmen. Das Fritz-Haber-Institut verpflichtete sich, den wissenschaftlichen Geschäftsführer zu bestellen und auch die Verwaltung in der Anfangsphase zu übernehmen. Mit der wissenschaftlichen Leitung von BESSY wurde 1981 A.M. Bradshaw betraut und dann wieder 1986 nach dem tragischen Tod seines Nachfolgers Ernst-Eckhard Koch. Seit der Aufnahme des Experimentierbetriebes bei BESSY im Jahre 1982 bzw. deren Nachfolgerin BESSY II in Berlin-Adlershof 1998 wird diese Strahlungsquelle von verschiedenen Arbeitsgruppen des Instituts intensiv genutzt, was der Grenzflächenforschung weiteren Auftrieb gegeben hat.

Im März 1987 nahm das auf dem Institutsgelände errichtete "Gemeinsame Rechenzentrum der Max-Planck-Institute in Berlin" den Betrieb auf. Im Jahre 2002 wurde es in "Gemeinsames Netzwerkzentrum (GNZ)" umbenannt.

Im April 1985 nahm Gerhard Ertl den Ruf an, die Abteilung Physikalische Chemie als Nachfolger von H. Gerischer nach dessen Emeritierung (31.3.1987) zu übernehmen. Er ist seitdem Wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Institut und hat seine Forschungsarbeit im Institut bereits im April 1986 aufgenommen. Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Tätigkeit verschob sich von der Elektrochemie, die allerdings ebenfalls weiter bearbeitet wird, zur allgemeinen Untersuchung der Dynamik chemischer Reaktionen an festen Oberflächen. Ein wichtiges Arbeitsgebiet wurde die nichtlineare chemische Dynamik, mit chemischen und elektrochemischen Oszillationen und Strukturbildungsphänomenen.

Im Juli 1988 wurde die neue Abteilung "Theorie" unter der Leitung von Matthias Scheffler gegründet. Diese Abteilung spezialisiert sich auf Anwendungen der Theorie in der Oberflächenforschung, Festkörperphysik, Quantenchemie und "Computational Physics".

Mit der Emeritierung von E. Zeitler am 31.1.1995 und der Berufung von Robert Schlögl zum Direktor ans Institut zum 1.2.1995 ändert sich die Zielrichtung der Abteilung Elektronenmikroskopie. Unter R. Schlögls Leitung wird die in der Abteilung vorhandene Erfahrung für Oberflächenuntersuchungen eingesetzt. Damit wurde erreicht, dass auch in diesem, nun in "Abteilung für Anorganische Chemie" umbenannten Bereich, das Thema Katalyse in den Vordergrund trat. Dies war ein wichtiger Schritt in Richtung auf eine Vereinheitlichung des Instituts-Forschungsziels, aus der sich Synergieeffekte ergeben. Das Ziel dieser Forschung ist die überbrückung der Lücke zwischen Oberflächenphysik und chemie. Zu diesem Zweck wurden in-situ-Methoden und eine Vielzahl von analytischen Verbindungen etabliert. Die Tradition der Elektronen-Mikroskopie wurde mit der Beschaffung von zwei modernen Elektronenmikroskopen fortgesetzt.

Durch den unerwarteten Tod von J. Block im Juli 1995 wurde es notwendig, für die Abteilung Grenzflächenreaktionen neue Perspektiven zu entwickeln. Mit der Berufung von Hans-Joachim Freund zum 1.4.1996 kam es zu einer Neuorientierung, die sich auch in der Umbenennung in "Abteilung für Chemische Physik" ausdrückte. Hier werden vielfältige Studien zur Adsorption, besonders auf Oxid-Oberflächen durchgeführt.

Im Jahre 2002 wurde Gerard Meijer zum Direktor am Institut berufen; er gründete die Abteilung Molekülphysik, in der neben Anwendungen der Molekülspektroskopie auch die Abbremsung und das Speichern von "kalten" Molekülen bearbeitet wird.

  Karsten Horn

Impressum • © FHI
Wed, 28. Mar 2012
Adresse: Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Faradayweg 4-6, 14195 Berlin, Germany
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