Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft  

Geschichtlicher Rückblick
  
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Inhalt   1. Institutsgründung   2. Der Erste Weltkrieg   3. Die Jahre 1919-1933   4. Machtübernahme der Nationalsozialisten und Zweiter Weltkrieg  
5. Erste Nachkriegsjahre   6. Eingliederung in die Max-Planck-Gesellschaft   7. Entwicklung zu einem Zentrum der Grenzflächenforschung     

5. Erste Nachkriegsjahre

Finanziell wurde das Institut in den ersten Nachkriegsjahren vom Magistrat der Stadt Berlin unterhalten. Wissenschaftliches Arbeiten war nur sehr begrenzt möglich. Robert Havemann, der von den sowjetischen Truppen aus dem Zuchthaus befreit worden war und 1932 bis 1933 als Stipendiat am Institut gearbeitet hatte, wurde vom Magistrat als Institutsleiter eingesetzt. I.N. Stanski, K. Moliere und K. Ueberreiter nahmen ihre Arbeit am Institut wieder auf, soweit es die äusseren Umstände erlaubten. Hartmut Kallmann, langjähriger Mitarbeiter von Haber bis 1933, kehrte für kurze Zeit aus der industriellen Auffangstellung ans Institut zurück. Er folgte aber schon 1948 einem Ruf nach New York.

Erst im Juni 1947 übernahmen die Länder der U.S. Besatzungszone die Schirmherrschaft und Finanzierung im Rahmen einer Stiftung "Deutsche Forschungshochschule Berlin-Dahlem", in der das Institut organisatorisch mit dem Institut für Zellphysiologie von Otto Warburg und den Restgruppen einiger anderer Kaiser-Wilhelm-Institute zusammengeschlossen wurde. Im Januar 1948 wurde R. Havemann auf Betreiben der amerikanischen Dienststellen als Institutsdirektor abgesetzt. Er behielt aber noch eine Abteilung im Institut, die erst Anfang 1950 geschlossen wurde, als er wegen kommunistischer Propaganda Hausverbot erhielt und nach Ostberlin übersiedelte.

Im Frühjahr 1948 wurde für Karl Friedrich Bonhoeffer eine Abteilung am Institut eingerichtet, während dieser gleichzeitig noch Direktor des Instituts für Physikalische Chemie an der Humboldt-Universität Berlin war. Er wurde im Dezember 1948 zum Direktor des Instituts bestellt, folgte allerdings schon 1949 einem Ruf der inzwischen neu gegründeten Max-Planck-Gesellschaft als Direktor an das neue Max-Planck-Institut für physikalische Chemie in Göttingen. Trotzdem leitete er das Institut noch gleichzeitig weiter bis zum 31.3.1951. Er holte Ernst Ruska, den Erfinder des Elektronenmikroskops, an das Institut als Leiter einer Abteilung für Elektronenmikroskopie, die dieser neben seiner Tätigkeit bei der Firma Siemens aufbauen sollte, um Grundlagenforschung für die Weiterentwicklung von Elektronenmikroskopen zu betreiben.

In seiner Abteilung für Physikalische Chemie und Elektrochemie stellte er junge Wissenschaftler ein, die neue aktuelle Probleme in Angriff nehmen konnten. Georg Manecke entwickelte neue Hochpolymere mit Ionenaustausch- und Elektronenaustauch-Charakter und stellte hier die ersten immobilisierten, d.h. an hochpolymere Matrizen angekoppelten Enzyme her, die heute in der Biotechnologie so große Bedeutung haben. Klaus J. Vetter baute eine erfolgreiche Arbeitsgruppe für Elektrochemie auf. Er entwickelte neue Methoden zur Analyse der Kinetik elektrochemischer Reaktionen und trug Wesentliches zum Verständnis der Passivität von Metallen gegen Korrosion bei. Beide wurden 1961 als Professoren für Organische Chemie bzw. Physikalische Chemie an die Freie Universität berufen, behielten aber danach als Auswärtige Wissenschaftliche Mitglieder des Instituts Arbeitsgruppen in diesem.

Neben der Abteilung des Institutsdirektors gab es die grosse Abteilung von Iwan N. Stranski, der gleichzeitig Ordinarius für Physikalische Chemie an der Technischen Universität Berlin war. In dieser ab 1954 "selbstständigen" Abteilung wurden Kristallstrukturen, Keimbildungs- und Kristallwachstumsprozesse untersucht. Später wurde als neues Arbeitsgebiet das Studium der Eigenschaften der Zeolithe und von katalytischen Prozessen in solchen mikroporösen Festkörpern aufgenommen. Ab 1954 war I.N. Stanski zugleich stellvertretender Institutsdirektor.

Erwin W. Müller, der Erfinder des Feldelektronenmikroskops, war seit 1947 in der Abteilung Stranski als Assistent tätig und entwickelte in dieser Zeit das Feldionenmikroskop mit einer wesentlich höheren Auflösung von atomaren Strukturen. E.W. Müller erhielt 1950 eine eigene Abteilung am Institut, folgte jedoch schon 1952 einem Ruf in die USA. Er blieb dem Institut bis zu seinem Tode (1977) als Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied verbunden.

Impressum • © FHI
Sat, 6. Aug 2005
Adresse: Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Faradayweg 4-6, 14195 Berlin, Germany
Tel: +49 30 8413 30, Fax: +49 30 8413 3155, E-Mail: fhi@fhi-berlin.mpg.de