Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft  

Geschichtlicher Rückblick
  
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Inhalt   1. Institutsgründung   2. Der Erste Weltkrieg   3. Die Jahre 1919-1933   4. Machtübernahme der Nationalsozialisten und Zweiter Weltkrieg  
5. Erste Nachkriegsjahre   6. Eingliederung in die Max-Planck-Gesellschaft   7. Entwicklung zu einem Zentrum der Grenzflächenforschung     

3. Die Jahre 1919-1933

Nach dem Ende des Krieges konnte sich Haber wieder der Grundlagenforschung zuwenden. Der Versuch, die im Institut gewonnenen chemischen Erfahrungen bei der Entwicklung von Kampfstoffen für friedliche Zwecke in der Pharmakologie und der Schädlingsbekämpfung zu nutzen, mußte bald infolge von Geldmangel und Inflation abgebrochen werden. Die wirtschaftlichen Nöte des Reiches, bedingt durch die hohen Reparationsleistungen, brachten Haber 1920 auf die Idee, das vermeintlich im Meerwasser in ausreichender Konzentration gelöste Gold elektrochemisch zu gewinnen und damit die Reparationen zu bezahlen. Er gründete im Institut eine zur Geheimhaltung verpflichtete Arbeitsgruppe und entwickelte Verfahren zur Extraktion von Gold aus dem Meerwasser sowie zur Verfeinerung der Analyse. Intensive analytische Untersuchungen im Institut an Meerwasserproben aus verschiedenen Weltteilen, die in zum Teil eigens dafür unternommenen Schiffsexpeditionen gewonnen wurden, ergaben schließlich nach jahrelanger Mühe, daß die älteren und anfangs scheinbar bestätigten, sehr Erfolg versprechenden Werte (nach Berechnungen sollten 8 Milliarden Tonnen in den Weltmeeren gelöst sein) um den Faktor 1000 zu hoch waren und eine rentable Gewinnung unmöglich war.

Gleich nach dem Krieg richtete Haber im Institut neben seiner Abteilung zwei weitere ein. Herbert Freundlich, der seit 1916 im Institut tätig war und stellvertretender Direktor wurde, leitete eine Abteilung für Kolloidchemie, ein Gebiet, zu dessen Begründern er gehörte. Aus dieser Abteilung gingen grundlegende Erkenntnisse über das Verhalten von Kolloiden in Elektrolyten und über die Adsorption aus Lösungen hervor. Eine Abteilung für Atomphysik leitete James Franck, der hier seine Versuche über Stösse zwischen Atomen und Elektronen fortsetzte und für diese Arbeiten 1925 gemeinsam mit Gustav Ludwig Hertz mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Leitung dieser Abteilung übernahm nach James Francks Berufung an die Universität Göttingen (1920) im Jahre 1924 Rudolf Ladenburg. Sie wurde aufgelöst, als dieser im Jahre 1932 einem Ruf an die Universität Princeton folgte. Eine zweite Abteilung für Physikalische Chemie, aus der Pionierleistungen auf den verschiedensten Gebieten hervorgegangen sind, wurde 1923 für Michael Polanyi geschaffen. So wurde z.B. von Polanyi in gemeinsamen Arbeiten mit Eugen Wigner und Henry Eyring die atomistische Analyse von Reaktionen im Gasraum als Stoßprozess zwischen Molekülen begründet und die Theorie des übergangszustandes für die Beschreibung des Ablaufes chemischer Reaktionen entwickelt. Auch grundlegende Ideen über die Plastizität von Festkörpern oder den Mechanismus der Polymerisation sind Polanyis Arbeiten zu verdanken. Haber selbst beschäftigte sich in diesen Jahren neben seinem wissenschaftspolitischen Wirken Ð er hatte unter anderem wesentlichen Anteil an der Gründung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, aus der sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft entwickelte und dem "Gold-Projekt" mit Leuchterscheinungen bei chemischen Reaktionen (Chemolumineszenz), der Kinetik von Gasreaktionen, der spektroskopischen Erfassung von Zwischenprodukten, die bei chemischen Reaktionen auftreten, und mit der Photochemie. Vor allem aber zog er durch seine Persönlichkeit und wissenschaftliche Vielseitigkeit junge Mitarbeiter in großer Zahl an und förderte sie durch Diskussion und kritische Anregungen. Das von ihm geleitete 14-tägige Kolloquium war ein Forum für die neuesten Entwicklungen in Physik und Chemie. Das Institut wurde zu einem Mekka der Physikalischen Chemie, und zahlreiche bedeutende Wissenschaftler begannen hier ihre wissenschaftliche Laufbahn oder verbrachten längere Zeit am Institut als Gäste. Genannt seien: Hans Beutler, Karl Friedrich Bonhoeffer, Ludwig Ebert, Henry Eyring, Ladilaus Farkas, Karl-Herrmann Geib, Paul Goldfinger, Walter Grotrian, Paul Harteck, Hartmut Kallmann, Hans Kautsky, Paul Knipping, Hans Kopfermann, Fritz London, Eugen Rabinowitch, Karl Söllner, Hertha Sponer, Eugen Wigner, Joseph Weiß, Karl Weissenberg, Setsuru Tamaru und Hans Zocher.

Wegweisende Erkenntnisse wurden im Institut gewonnen. Erwähnt seien hier die Deutung der Prädissoziationsspektren durch Bonhoeffer und Farkas (1928), der Nachweis der "negativen" Dispersion in einem Neon-Gasentladungsrohr als Zeugnis für die stimulierte Lichtemission eine Vorbedingung für die viel später entwickelte Laser-Emission durch Kopfermann und Ladenburg (1928), die Reinherstellung von Para-Wasserstoff bei tiefen Temperaturen durch Bonhoeffer und Harteck (1929), die quantenmechanische Beschreibung der Energieübertragung zwischen atomaren Systemen durch Kallmann und London (1929), die Deutung der Hyperfeinstruktur von Atomspektren durch Kopfermann (1931) und schließlich die Darstellung des Grundprinzips eines Schwerionen-Linearbeschleunigers durch Kallmann (1933). Die herausragenden Leistungen von Polanyi und seinem Arbeitskreis in der Physikalischen Chemie sowie von Freundlich und seinen Mitarbeitern in der Kolloid- und Grenzflächenchemie sind schon genannt worden. Es waren die "goldenen Jahre" des Instituts und der wissenschaftlichen Forschung in Berlin, die 1933 schlagartig zu Ende gingen.

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Sat, 6. Aug 2005
Adresse: Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Faradayweg 4-6, 14195 Berlin, Germany
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