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Adolf von Harnack - 'Kulturprotestantismus' an den Wurzeln der Kaiser Wilhelm Gesellschaft
Speaker: Prof. Notger Slenczka (Humboldt Universität zu Berlin)

Es war der Theologe Adolf von Harnack, der die Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft angeregt und betrieben hat und der ihr viele Jahre als Präsident vorstand. Harnack war einer der bedeutendsten Kirchenhistoriker der Neuzeit. In seinem umfangreichen Werk aus historischen Spezialstudien, Überblicksdarstellungen und kulturtheoretischen Schriften ragt zweifellos seine Deutung der Dogmengeschichte von den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte bis zur Reformationszeit als Hauptwerk heraus (Lehrbuch der Dogmengeschichte, 3 Bde). In dieser Dogmengeschichte bietet Harnack das Programm einer Verbindung eines entdogmatisierten Christentums mit der Gegenwartskultur (Programm eines 'Kulturprotestantismus').
Daß ein Theologe sich für die Förderung naturwissenschaftlicher Forschung interessiert, wirkt auf den ersten Blick erstaunlich. Im Hintergrund steht aber erstens das genannte Anliegen einer Entdogmatisierung des Christentums und einer Verbindung von Christentum und Gegenwartskultur, in der, das sieht Harnack, die naturwissenschaftliche Forschung und die technische Naturbeherrschung eine zentrale Rolle spielt. Harnack war zudem in seiner Berliner Zeit nicht nur ein hochangesehener Kirchenhistoriker, sondern auch ein Wissenschaftsorganisator von höchstem Rang, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und langjähriger Leiter der (späteren) Staatsbibliothek. Harnack hat die Aufgabe, das Recht und die Grenze wissenschaftlicher Forschung in wissenschaftstheoretischen Reflexionen dargelegt, in denen er ein Verhältnisbestimmung von naturwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher Forschung vornimmt - das ist der zweite Hintergrund seines Interesses an der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Und schließlich - der dritte Hintergrund - hatte Harnack ausgezeichnete Verbindungen zur Kultusbürokratie und zum Kaiserhaus, die es ihm ermöglichten, seine Ideen umzusetzen.
Diese Hintergründe seines Engagements sollen dargestellt werden.

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