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Der Direktor des Kaiser Wilhelm Instituts für physikalische Chemie Peter Adolf Thiessen und die Chemiewaffen-Forschung im NS-Regime

Referent: Dr. Florian Schmaltz (Historisches Seminar, Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Die Entwicklung chemischer Massenvernichtungsmittel, die im Ersten Weltkrieg erstmals durch Truppen des deutschen Kaiserreichs im April 1915 in Ypern eingesetzt wurden, ist eng mit dem von Fritz Haber geleiteten Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie verbunden. Während Forschung, Entwicklung und Einsatz chemischer Kampfstoffe im Ersten Weltkrieg bereits in einer Reihe von historischer Studien untersucht wurde, war über deren Weiterentwicklung im Nationalsozialismus an Instituten der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft lange Zeit wenig bekannt. Der Vortrag stellt Ergebnisse einer Studie vor, die im Rahmen des Forschungsprogramms der Präsidentenkommission der Max-Planck-Gesellschaft “Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus” entstand. Er liefert einen Überblick über die an sieben Kaiser-Wilhelm-Instituten im Nationalsozialismus mit erheblichen Mitteln geförderte Gasschutzund Kampfstoff-Forschung und geht ausführlicher auf die Neuausrichtung das KWI für physikalische Chemie und Elektrochemie nach dem 1933 erzwungenen Rücktritt Fritz Habers ein. Zunächst unter der kommisarischen Leitung von Gerhart Jander und ab 1935 von Peter Adolf Thiessen wurde dort in mehreren Abteilungen in Kooperation mit dem Heereswaffenamt kontinuierlich über Kampfstoffe geforscht. Erörtert wird, wie die antisemitische Vertreibungpolitik gegenüber jüdischen Wissenschaftlern mit dem Ziel einer verschärften Militarisierung der Forschung im Rahmen der NS-Wissenschaftspolitik miteinander in Einklang gebracht wurden. Ferner wird der Frage nachgegangen, inwiefern Thiessen als Fachspartenleiter des Reichsforschungsrates für den Zugriff der Wissenschaft auf KZ-Häftlinge als Forscher und Arbeitskräfte verantwortlich war und mit Wissenschaftlern kooperierte, die an Häftlingen verbrecherische Menschenversuche mit chemischen Kampfstoffen durchführten.

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